Was braucht man um einen alten Fiat X 1/9 wieder zu beleben? Ich denke zuerst einmal einen alten heruntergekommenen und diletantisch restaurierten Wagen.Ha,Ha!!!



Ich habe meinen X im Juli 1991 in Aachen gekauft. Damals wußte ich nicht, auf was ich mich einlassen würde. Lange schon wollte ich einen X1/9 mein Eigen nennen. Es war 1991 schon schwer, einen preiswerten X mit einigermaßen guter Substanz zu finden. Einen Tag nach meiner Geburtstagsparty, stand mein Couisin mit einer Zeitung, in der die Anzeige war, bei mir auf der Matte. Ich war hell auf begeistert. Also rein ins Auto und ab nach Aachen. Als wir den Wagen begutachteten war ich sehr enttäuscht über seine Optik. Der Lack war zwar neu, aber wahrscheinlich mit Eimern über den Wagen geschüttet. Der Besitzer lobte ihn in den höchsten Tönen "nur die Lackierung hätte er nach dem Restaurieren nicht so gut hinbekommen". Der Preis von 4800,-DM erschien uns trotzdem zu hoch für das "gute Stück". Ein Verkaufsargument des Besitzers war: Man kann sogar einen Dachgepäckträger anbringen, um mehr Ladungskapazität zu haben. Er hätte das oft gemacht. Ein X mit einem Dachgepäckträger, lange nicht so gelacht. Nach langem Hin und Her einigten wir uns dann auf 2800,-DM und ich kaufte den Wagen, trotz seiner optischen Mängel.Vom technischen Zustand war der Wagen eigentlich in Ordnung, von kleinen Dingen einmal abgesehen.
Ich wagte es sogar mit ihm in den Urlaub zu fahren. Einmal Gardasee und zurück. Er absolvierte diese Strecke ohne Probleme.
Das ich etwas an diesem Wagen machen mußte, war mir von Anfang an klar. Aber das es solche Ausmaße annehmen würde, leider nicht. Nach einem halben Jahr Fahrspaß mußte der Wagen zum TÜV. Ich glaube jeder X1/9 Liebhaber freut sich darauf dieses Unternehmen aufsuchen zu dürfen. HA HA !!! Es lag auf der Hand, dass er diese Prozedur nicht bestehen würde. Also fingen wir mit kleinen Schweißarbeiten an. Schnell stellte sich heraus, dass diese Unternehmung mehr Zeit in Anspruch nehmen würde. Da ich mich dann beruflich veränderte, war für den X nun garkeine Zeit mehr. Also verschwand er erst einmal in der Garage meines Cousin. Es sollten über fünf Jahre ins Land gehen, bevor ich wieder Zeit für Ihn finden würde.


Nach fünf Jahren Standzeit. In dieser kleinen Garage wurde der X auch restauriert. Nach fünf Jahren Standzeit. In dieser kleinen Garage wurde der X auch restauriert.

Im Juli 1997 fingen wir mit dem Restaurieren an. Es war von Anfang an ein Lauf gegen die Zeit. Das Ziel war das X1/9 Treffen am Nürburgring 1998. Das findet bekanntlich im August statt. Also hatten wir nach Adam Riese, 13 Monate um den Wagen auf Fordermann zu bringen. Und die Rechnung sollte gerade so aufgehen. Als der Wagen aus der Lackiererei kam, hatten wir noch 10 Tage Zeit ihn zu komplettieren und zum laufen zu bringen. Dank vieler helfender Hände und einer guten Vorbereitung war dieses überhaupt möglich. Am Freitagabend den 06.08.1998 hatten wir es endlich geschafft. Der Wagen war fertig und lief.

Am Vormittag des 07.08.1998 brachen wir dann zum Nürburgring auf. Nach den ersten zwanzig Kilometern auf der Autobahn mussten wir den ersten ungewollten Stop einlegen. Die Bremse hinten rechts hatte sich festgefressen. Ein paar Schläge mit dem Gummihammer konnten aber diese Angelegenheit schnell aus der Welt schaffen. Nach dem wir die Autobahn verlassen hatten, kam der nächste unfreiwillige Halt. Das Schaltgestänge hatte sich gelöst. Und so ist es nun einmal, ohne Gänge keine Fahrt. Also wieder unter den Wagen, und das auf einer schmalen Landstraße ohne Standstreifen, um das Schaltgestänge neu zu montieren. Gesagt und getan also weiter zum Ring. Dort angekommen kochte der Wagen vom Feinsten und der Kühlerthermoschalter machte seine Arbeit auch nicht. Aber egal wir waren auf jeden Fall dabei.
Es folgte ein schönes Wochenende am Nürburgring, aber auf der Rückfahrt sollten die Probleme weiter gehen. Der Thermoschalter des Kühlers streikte immer noch und die Karre wurde einfach zu heiß. Also wieder anhalten und nach einer Lösung suchen. Kurzer Hand ein Pluskabel an den Lüfter gelegt und weiter konnte es gehen. Zu Hause angekommen, erst einmal tief Luft geholt und die Karre in die Garage gefahren. In dem Jahr bewegte sich an dem Wagen dann nicht mehr sehr viel. Er wurde abgemeldet und schlummerte nun in seinen vier Wänden.

1999 wieder angemeldet und die Odysee sollte weiter gehen. So ein X 1/9 ist nun schon etwas besonderes und sensibel sowieso. Es fing mit dem Vergaser und der Zündung an. Der Wagen wollte einfach nicht richtig laufen. Aussetzer und Spritmangel waren an der Tagesordnung. Dann wieder andere Düsen ausprobiert und die Karre lief wieder zu fett. Zündaussetzer im oberen Drehzahlbereich und so weiter und so fort.
Eines Tages haben wir es doch tatsächlich in den Griff bekommen und der X lief wieder. Ein Vergaserwechsel war nicht zu vermeiden, und selbst den mussten wir überholen.
Es sollte aber nicht lange dauern und die Probleme gingen weiter. Die Lichtmaschine lud die Batterie was das Zeug hielt. Die Gase konnte man bis in den Innenraum riechen. Um ein Haar hätte ich meine Freundin bei einer Probefahrt auf dem Gewissen gehabt. Aber auch das haben wir durch einen Lichtmaschinenwechsel reparieren können.
Ich dachte nun läuft er endlich und machte mich auf den Weg nach Zwickau um Freunde zu besuchen. Die Hinfahrt von 500 km absolvierte er ohne Probleme und in Zwickau fuhr ich auch noch ein paar Kilometer. Aber auf der Rückfahrt ging das Desaster weiter. Das Getriebe ließ sich immer schlechter schalten und die Gänge sprangen raus wie sie nur wollten. Ich schleppte mich geradeso nach Hause.
Der Bertone trat frühzeitig sein Winterschlaf an, und das mit defekten Getriebe. Einen kaputten Wagen in den Winterschlaf zu schicken ist für jeden X-Fan ein Grauß. Jeder bekommt ein schlechtes Gewissen und die Strafe folgt im Frühling, wenn man dann doch nichts an dem Wagen gemacht hat.

Aus diesem Grund passierte im Jahr 2000 garnichts an dem Wagen. Ich hatte keine Lust und war leider einige Zeit außer Gefecht gesetzt. So stand er nun und die Zeit verging.

Anfang des Jahres 2001 nervte Uwe, was nun mit dem X wäre. Jeden Tag den wir uns sahen, sprach er von der Instandsetzung des Getriebes. Ich hatte erlich gesagt überhaupt keinen Bock irgendetwas an dem Wagen zu machen. Aber er motivierte mich dermaßen, dass wir dann irgendwann anfingen. Also Patrick, unseren Meeeester, zu Rate gezogen und los ging es. Jetzt hieß es wieder Motor und Getriebe raus.
Das hieß erst einmal ausprobieren ob er überhaupt anspringt. Die Batterie geladen und eingebaut. Nach dieser langen Standzeit, brauchte es einige Zeit bis sein Triebwerk wieder ansprang. Und wie er lief!!! Die ganze Garage füllte sich innerhalb von Sekunden mit dichten Oelrauch, so das man eine Gasmaske zum betreten gebraucht hätte. Also Motor aus und nichts wie raus aus dieser Gasgarage. Es vergingen bestimmt 15 Minuten bis der Raum wieder begehbar war. Die Ventilschaftdichtungen hatten das zeitliche gesegnet. Patrick schaute sich nur dieses Schauspiel an, und sagte dann ganz trocken:"Dann machen wir eben den Motor auch noch". Mir fiel ein Stein vom Herzen, und ich kann euch sagen, es ist schön Leute in der Familie zu haben, die sich vor nichts scheuen. Wie gesagt, so getan, aber es hat seine Zeit gedauert. Außerdem sind viele Liter Bier die Kehlen heruntergeflossen. Aber es war eine schöne Zeit und gelernt habe ich auch eine Menge. Jetzt läuft der X, und ich hoffe das es so bleibt.

Nun habe ich noch die Sitze zum beziehen gegeben. Ende des Monats April 2002 wird damit begonnen. Ich denke dann ist unser Projekt X 1/9 abgeschlossen. Zumindest im groben, denn fertig ist man eigentlich nie bei einem Wagen der 22 Jahre ist, und jeden Tag und Kilometer älter wird.

Und wieder sollte ich irren, denn wir haben Ende April 2002 und der X ließ mich wieder hängen. Fünfhundert Kilometer in der neuen Saison gefahren und die Zylinderkopfdichtung gab ihren Geist auf. Also wieder alles ausgebaut und die Ursachen lokalisiert. Der Zylinderkopf hatte sich nach 2000 Kilometern etwas gelöst und so die Dichtung verheizt. Wir wollten sicher gehen und gaben den Kopf erst einmal in eine Meisterwerkstatt zum planen. Und nun fing der Ärger erst richtig an.
Zu diesem Thema gibt es eine Seite extra unter den Namen: "Unglaubliches".


An dieser Stelle, möchte ich nicht versäumen allen zu danken, die an diesem Projekt mitgewirkt haben.

Patrick Beier, Uwe Scheibe, Douglas Beier, Frank Schlott, Holger Hengst, Eric Jasper, Angelika Hobler, Karsten Grimm,